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Der Musiksalon im Unterbräu

Jazz in einem bayerischen Wirtshaus

Michael Lutzeier mit runder Brille, orangefarbenem Hemd und Nadelstreifensakko hält sein Baritonsaxophon vor sich, im Hintergrund blauer Himmel und unscharfe Landschaft
Foto: Willie Engels

Der Weg zu dieser Bühne führt durch ein bayerisches Wirtshaus. Im Gasthof Unterbräu in Dießen am Ammersee, den Martin und Anna Brink in vierter Generation führen, liegt ein holzgetäfelter Saal. Wer hier Platz nimmt, sitzt höchstens sieben Meter von den Musikern entfernt. Auf dem Programm steht vor allem Jazz, gespielt von Musikern, die sonst auf den großen Bühnen der Welt auftreten. Möglich macht das ein Mann, der beides kennt: die Weltstadt und das Fischerdorf: Michael Lutzeier.

Vom Ammersee hinaus

Michael Lutzeier wurde 1966 in München geboren. Am Ammersee machte er mit drei Jahren seine ersten Schwimmversuche, ein Jahr bevor er den ersten Musikunterricht bekam. Mit zwölf Jahren stand er zum ersten Mal auf einer Bühne. Er studierte Jazz und Musikpädagogik in den Niederlanden und arbeitet seit 1994 als Berufsmusiker. Sein Instrument ist das Baritonsaxophon. Konzertreisen führten ihn nach Italien, Norwegen, Serbien, in die Vereinigten Staaten, nach Südkorea und in die Mongolei. Dazu kamen Konzerte mit den deutschen Radio-Bigbands in Hamburg, Frankfurt, Berlin und Stuttgart.

Warum eine Bühne

Seit über zehn Jahren wohnt Lutzeier wieder in Dießen. Die Frage, warum ein Musiker eine Bühne betreibt, beantwortet er auf seiner Website selbst. Am Ammersee fehlte nach seinen Worten ein Programm auf dem Niveau, das er von seinen Reisen kennt. Zugleich kennt er aus drei Jahrzehnten Berufsleben Musiker aus aller Welt. Also holt er sie seit Juni 2012 in seinen Heimatort. Die Anreise ist kurz, und die Kollegen sehen, wie schön es am See ist. Über seine Partner im Wirtshaus sagt er: „Der Saal ist klein aber fein, das Essen groß aber guat."

Wer hier spielt

Zu Gast sind Kolleginnen und Kollegen aus Lutzeiers internationalem Netzwerk, Musiker, mit denen er in München, New York, Tokio oder Seoul auf der Bühne stand. Der Jazz steht im Mittelpunkt, daneben finden Klassik, Liedermacher und Volksmusik ihren Platz. Gespielt wird akustisch. Einen Höhepunkt der bisherigen Jahre nennt Lutzeier selbst: das fünfmalige Gastspiel einer Gruppe aus der Mongolei. Ein Konzertvideo davon verlinkt dieser Beitrag.

Ein Höhepunkt im Musiksalon
▶ ALTAI im Musiksalon Dießen — Musik aus der Mongolei (Video, März 2015)

Mehr als Veranstalten

Lutzeier ist mehr als ein Veranstalter. Er moderiert die Abende selbst, ironisch und neugierig, und befragt seine Gäste zwischen den Stücken. In wechselnden Besetzungen greift er auch zum eigenen Saxophon. Das Wort Konzert bedeutet ursprünglich, etwas in Übereinstimmung zu bringen. Lutzeier nimmt das wörtlich: Musiker, Publikum und Wirtsleute sollen einen gemeinsamen Abend erleben. Das Motto steht seit dem Anfang fest: „Feine Musik, ganz nah!" Und die Nähe endet nicht an der Saaltür. Nach dem Konzert sitzt der Gastgeber selbstverständlich am Stammtisch, auch mit den Fischern vom See. Über sein Publikum schreibt er, es sei genau die richtige Mischung, Alteingesessene wie Zugereiste: „lauter nette Leut'".

Wie nah sich hier alle sind, zeigt eine Begebenheit mit dem Gitarristen Karl Ratzer. Bei einem Gastspiel vertauschte jemand in der Pause sein Instrument, sein „Baby", gegen die Hütten-Gitarre des Gastwirts. Lutzeier erinnert sich: „Die Blicke von Karl waren tödlich." Der Streich war schnell aufgelöst, der Abend gerettet. So etwas trauen sich nur Menschen, die einander vertrauen.

Stimmen über den Gastgeber

Was Kollegen über den Mann am Baritonsaxophon sagen, sammelt seine Website. Der Bandleader Max Greger urteilte: „Michael Lutzeier spielt das Baritonsaxophon wie kein zweiter." Der Saxophonist Tony Lakatos formuliert es knapper: „Michaels Bariton-Power lässt keine Fragen offen." Der New Yorker Saxophonist Lou Marini erklärt, er spiele mit ihm jederzeit und überall.

Ausverkauft im Ehrenamt

Lutzeier betreibt den Salon ehrenamtlich. Nach seinen Worten waren die Konzerte über die Jahre fast immer ausverkauft, dazu helfen Sponsoren. Derzeit sucht er einen Raum für ein drittes Konzert am Sonntag, nach den Doppelkonzerten am Freitag und Samstag, mit mehr Platz für das Publikum. Auf die Frage, was er täte, wenn er sich ein Jahr lang nicht um seinen Lebensunterhalt kümmern müsste, antwortet er: das Gleiche wie jetzt auch.

Was einen Musiker umtreibt, der in New York ebenso wie in Dießen Jazz spielt, lässt sich nicht nachlesen. Man muss es erleben. Nur hier, nur live.

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